Seite wählen

Der Kaffee-Moment (Ein Beispiel)

Früher war mein Morgen getaktet nach dem Zeitplan eines Pflegedienstes. Heute entscheide ich: „Heute bleibe ich liegen, bis die Sonne durchs Fenster scheint.“ Meine Assistenz ist da, um meine Arme und Beine zu sein, wenn wir den Kaffee kochen. Aber der Wunsch nach dem Kaffee, die Wahl der Bohnen und der Zeitpunkt des Genießens – das bin zu 100 % ich.

„Inklusion bedeutet nicht, dass man einen Platz am Tisch bekommt. Inklusion bedeutet, dass man mitbestimmt, was serviert wird.“

Vom Objekt zum Subjekt

In der klassischen Pflege ist man oft das „Objekt“ einer Handlung. Man wird gewaschen, man wird gefüttert, man wird verwaltet. Persönliche Assistenz dreht dieses Machtgefüge um:

Der Nutzer ist der Chef: Er entscheidet, wer kommt, wann was gemacht wird und wie das Schnitzel geschnitten werden soll.

Inklusion durch Präsenz: Assistenz ermöglicht es, genau dort zu sein, wo das Leben stattfindet – beim Para-Boccia-Training, bei den Aktivitäten oder im Meeting – ohne dass die Familie einspringen muss.

 

Das „Assistenz-Paradoxon“

Es klingt widersprüchlich: Um unabhängig zu sein, braucht es manchmal die ständige Anwesenheit eines anderen Menschen. Aber die Assistenz ist wie eine Brille oder ein Laptop – ein unverzichtbares Werkzeug, das den Menschen dahinter erst richtig sichtbar macht.

„Persönliche Assistenz ist wie ein Schatten: Sie ist immer da, wenn man sie braucht, aber sie verstellt niemals die Sicht auf den Menschen selbst.“

Silke Kropacek mit ihren PERSÖNLICHE ASSISTENEN – Josef Starkl und Birgit Miksche